Besonders absurd finde ich Zugausfälle, bei denen der Ersatzzug am selben Bahnsteig steht, aber ungefähr halb so viele Wagen hat.
Die Verbindung existiert also technisch noch. Nur leider für deutlich weniger Menschen als vorher.
Bei der Bahn lese ich „Ankunft 8:42“ inzwischen eher als Absichtserklärung.
Ticket in der App.
Sitzplatz gefunden.
Komfort Check-in.
Laptop auf.
Kein Portemonnaie suchen, kein QR-Code während des Calls hochhalten.
Die beste Bahntechnik ist manchmal die, die danach einfach nicht mehr auffällt.
Ein Gleiswechsel ist deutlich angenehmer, wenn das Handy ihn meldet, bevor man zufällig auf die Anzeigetafel schaut. Im DB Navigator können gespeicherte beziehungsweise gebuchte Reisen mit aktivierten Benachrichtigungen solche Änderungen per Push melden. Bei Bahnfahrten ist die nützlichste Nachricht manchmal einfach: „Nicht mehr Gleis 7.“
Bei einer größeren Störung hilft „Zug verspätet sich um 27 Minuten“ irgendwann nur noch begrenzt.
Interessanter wird dann: Welche Verbindung fährt stattdessen, wo muss umgestiegen werden und wann kommt man realistisch an?
Verspätungsinformation erklärt das Problem. Eine brauchbare Alternative löst wenigstens einen Teil davon.
Ich beschwere mich wirklich oft über die Bahn und trotzdem habe ich für Strecken von drei, vier Stunden meistens lieber einen Zug als ein Auto.
Im Zug kann ich lesen, schlafen oder eine Stunde völlig sinnlos aus dem Fenster schauen. Im Auto muss ich vier Stunden lang Auto fahren.
Das macht es fast noch ärgerlicher, wenn die Bahn nicht funktioniert: Ich will sie ja eigentlich mögen.
Ich habe mir irgendwann angewöhnt, vor längeren Bahnfahrten nicht nur die Verbindung zu speichern, sondern auch schon mal zu schauen, was eine Stunde später fährt.
Nicht besonders optimistisch, aber erstaunlich beruhigend.
Seitdem sitze ich bei zehn Minuten Verspätung wenigstens nicht mehr da und rechne alle zwei Minuten neu aus, ob ich Gleis 4 noch irgendwie erreichen kann.
Ich achte bei längeren Zugfahrten inzwischen fast mehr auf die Steckdose als auf den Sitzplatz.
Zwei Stunden Verspätung sind unangenehm. Zwei Stunden Verspätung mit zwölf Prozent Akku fühlen sich deutlich länger an.
Gestern 18 Minuten Verspätung.
Anschluss hatte auch 20.
Selten so effizient zu spät gewesen.
Wenn mich jemand fragt, wann ich ankomme, sage ich bei Bahnfahrten inzwischen meistens die Uhrzeit aus der App plus ungefähr zwanzig Minuten.
Nicht mal aus Pessimismus. Ich habe einfach keine Lust mehr, um 17:04 Uhr Nachrichten zu schreiben wie „sind jetzt kurz vor Hannover, wird eher 17:26“.
Wenn ich dann doch pünktlich bin, bin ich halt überraschend früh da. Fühlt sich besser an.
Anmelden, um einen Eintrag zu schreiben.